Nie haette ich es mir traeumen lassen, dass ich einmal hier stehen wuerde um dir eine Dankesrede zu halten. Als du vor ziemlich genau 40 Jahren den Schuetzenverein wieder aus der Taufe gehoben hast, war ich gerade dreieinhalb Jahre alt. Heute stehe ich hier, mittlerweile selbst 43, und darf dich immer noch als 1. Vorsitzenden des SV Wolfartsweiler begruessen. Das heisst, Erich, dass du beinahe zwei drittel deines Lebens dem Schuetzenverein gewidmet hast.
Und
wie du das gemacht hast!!! Ich glaube es ist nicht uebertrieben, wenn ich sage,
dass es ohne dich heute keinen SV geben wuerde.
Es
lag wohl in der Familie, dass du den Drang verspuert hast den schon 1925
gegruendeten und nach dem 2. Weltkrieg verbotenen SV
wiederzugruenden. Denn dein Vater Josef Gittinger uebernahm 1928 die
Vorstandschaft des damaligen Schuetzenvereins.
Aber
egal was dich damals 1963 bewogen hat, auf jeden Fall hast du die
Wiedergruendung mit allem Elan vorangetrieben.
So
kam es, dass am 1. Februar 1963 im Gasthaus zum Kreuz die Gruendungsversammlung
stattfand. Anwesend waren damals 24 Personen. Ein Teil davon hat ebenfalls bis
heute zur Stange gehalten, wie du das ja immer zu sagen pflegst. Die sind ja
auch heute hier. Aber manche von diesen Vereinsgruendern haben uns schon fuer
immer verlassen.
Ich
moechte mal den ersten Satz aus dem Gruendungsprotokoll vom
1.Feb. 1963 zitieren:
“
Initiator Erich Gittinger stellt zu Beginn der Versammlung fest, dass in
kammeradschaftlicher, kultureller und geistiger Hinsicht ein Vereinsleben in der
Gemeinde stets von Nutzen sei.”
Als
Vereinsheim wurde das Gasthaus zum Kreuz gewaehlt.
1
Stimme viel uebrigens aufs “Roessle”.
Geschossen
wurde ebenfalls im Kreuz, und zwar auf 3 Staenden.
Im
gleichen Jahr wurde sogar schon ein Preisschiessen mit 62 Teilnehmern
durchgefuehrt. Auch hiervon ein Satz aus dem Protokollbuch: “Nicht unerwaehnt
soll bleiben, dass durch die zur Verfuegungstellung der Gewehre von OSM
Gittinger und Schuetzenbruder Koenig ein reibungsloses Preisschiessen erst
moeglich war.”
Ganz
interessant ist das Protokoll der 1. Generalversammlung am 15. Dezember 63 im
Kreuz. Da kam zum Beispiel ein Antrag zwecks Anschluss von Friedberg an den
Schuetzenverein Wolfartsweiler und Umbenennung in “Schuetzenverein
Wolfartsweiler-Friedberg”.Dieser Antrag loeste laut Protokollbuch eine sehr
lebhafte und fast nicht endende Debatte aus. Am Ende wurde dann dieser Antrag
abgelehnt.
Aber
auch noch viele andere lustige Sachen finden sich in diesem Protokoll von der 1.
Generalversammlung des SV Wolfartsweiler.
Ich
zitiere:
“Nach
kurzen Ausfuehrungen ueber die Schiessplatzfrage von Vorstand Gittinger wurde
von den anwesenden Frauen noch das lange Wegbleiben ihrer Maenner beim
Schiessabend beanstandet. Eine Beschlussfassung zwecks Abhilfe fand nicht
statt.”
“Die
Ansprache von Herr Lehrer Merz, der volle Unterstuetzung versprach, endete mit
dem Apell an die Schuetzen nicht auf wertvolle Singvoegel zu schiessen”
Und
noch was zum Schmunzeln am Ende dieses Protokolls:
“Zur
vorgerueckter Stunde schloss Vorstand Erich Gittinger mit Dankesworten an Alle,
die wunderbar verlaufene 1. Generalversammlung des SV Wolfartsweiler".
Nachtrag:
Wie oft der Vorstand nachher allerdings noch sagte “es war wunderbar” konnte
der Schreiber dieses Protokolls nicht mehr feststellen.
Dann kam ein denkwuerdiger Tag, der 13.3.64. Kannst du dich an dieses Datum erinnern, Erich?
Und
zwar war da der erste Spatenstich zum Bau eines Schuetzenhauses, genau an dieser
Stelle an der wir uns heute befinden. Der Kassenstand war damals 1631,20DM. Das
reichte natuerlich nicht aus um ein Schuetzenhaus zu bauen. So wurde von dir
Erich 2 Wochen darauf eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen, bei
der von den Mitgliedern einstimmig beschlossen wurde, dass bei der Spar und
Darlehenskasse Wolfartsweiler ein Kredit aufgenommen wird. Und zwar in der Hoehe
von, man hoere und staune 3000,- DM.
Am
10.und 11. Oktober 1964 konnte das Schuetzenhaus dann auch schon eingeweiht
werden. Natuerlich mit einem riesen Fest mit allerhand Prominenz und Gaesten.
Der damalige Buergermeister Miller meinte bei seiner Rede, dass es ihm sehr
recht sei, dass aus dem ehemaligen Zigeunerplatz nun etwas Rechtes geworden sei.
Dass
in Wolfartsweiler schon immer zuenftig gefeiert wurde, dass merken wir ja heute
noch. Und dass es frueher nicht anderst war sagt uns der letzte Satz aus dem
Festprotokoll:
“
Anschliessend war noch Tanz, doch von diesem Zeitpunkt an konnten keine
Aufzeichnungen mehr gemacht werden, da der Schreiber dieses Protokolls von einer
Alkohol-Welle weggespuelt wurde.”
Erich,
da stand es nun, dein erstes Schuetzenhaus. Natuerlich nicht so wie heute. Aber
immerhin wurde in der Presse damals von einem “modernen Clubhaus mit 10 Schiessstaenden” geschrieben. Ich selbst kann mich noch daran erinnern wie mich
meine Eltern als 3-Kaesehoch manchmal mir raus nahmen. Da war dieser Schlauch,
der ganz am Anfang als Aufenthaltsraum diente und spaeter als der
Wirtschaftsraum ausgebaut wurde dann zur Kueche umfunktioniert wurde.
Was
hat man als Kind nicht so alles mitbekommen, wie es hier draussen zugegangen
sein soll. Dass die Mitglieder im Winter das Holz zum einheizen selber
mitgebracht haben. Dass die Naechte durchgemacht wurden bis zum Kirchgang beim
Trinkgelage, Binokel und beim Buiaeckla. Und dass der Ostermeier Wendel immer
gegen frueh morgens einen Kopfstand auf dem Stammtisch machte.
Wir
Jungen wussten damals gar nicht wie er heisst, unser Vorstand. Weil jeder sprach
nur vom “Boss”. Und dieser Boss bist du immer geblieben lieber Erich, bis
heute.
Was
hast du nicht alles durchgezogen in deinen 40 Jahren Vorstand.
1966
die Fahnenweihe mit einem Riesenfest inclusive Festzug und Bierzelt.
Natuerlich
ging nicht immer alles richtig und glatt ueber die Buehne. So zum Beispiel die
Sache mit dem 4 taegigen Festzeltaufstellen bei der Fahnenweihe. Hier mal der
Ablauf im Einzelnen:
9.8.66
– Eintreffen des Festzeltes mit einem grossen Lastzug der Firma Pflug aus
Rottweil. Doch Freibier war noch nicht dabei!
10.8.66
- Aufstellen des Festzeltes bei gluehender Hitze. Organisation klappte nicht
ganz, da der Spezialzeltmeister auch nicht wusste wo vorne und hinten ist, und
er ausserdem oft Brotzeit machte sowie beim urinieren war. Dass das Festzelt
ueberhaupt aufgestellt werden konnte, verdanken wir Karl Schmid der eine ganze
Kiste der fehlenden Schrauben bereit stellte. Freibier vorhanden.
11.8.66
– Festzelt aufstellen, Immer noch grosse Hitze, Podium wird errichtet
12.8.66
– Planen werden aufgenagelt, Freibier wird rar. Zeltmeister wird ploetzlich
bei schwarzer Wurst und Brot von Telefonanruf ueberrascht, er soll nach Rottweil
kommen! Sehr heiss!
Aber
ich denke es ging dann doch noch alles gut und das Fest konnte an herrlichen
Sommertagen stattfinden.
Genauso
wie 1975 das 50 jaehrige Bestehen seit Erstgruendung , das ebenfalls mit
Festzug, Zelt und sogar einem Rummelplatz mit Schiffschaukel usw. gefeiert
wurde. Da kann ich mich noch gut erinnern, dass da ebenfalls so ein komischer
Zeltmeister da war der so abgesaegte Finger hatte und immer schrie: "Dia
Lottra moss her".
Und
noch ein grosses Fest hast du durchgezogen. Und zwar 1988 die Einweihung des
neuen Schuetzenhauses. Wieder mit grossem Festzelt usw.
Wenn
ich die Protokollbuecher so durchschaue, muesste ich tagelang Zeit haben um
Alles zu erzaehlen was du Erich in den 40 Jahren mit deinem Verein alles erlebt
und durchgemacht hast.
Seien
es die vielen Ausfluege, zum Beispiel in dein geliebtes Suedtirol, die
Anschaffung der Uniformen, mittlerweile die 3. oder auch nur die vielen
Vereinsabende, an denen du in den 40 Jahren so gut wie nie gefehlt hast. Wenn
ich das mal so durchrechne, sind das ueber 2000 Freitag Abende, die du im
Schuetzenhaus bei deinem Verein verbracht hast.
Sicherlich
sind auch dir die Reden von unserem verstorbenen Ehrenmitglied Jacob Reuter
unvergesslich in Erinnerung oder die Fastnachtsbaelle an denen du selbst
jahrelang aktiv mitagiert hast.
Aber
auch sportlich warst du oft vorne mit dabei. Ich kann mich gut daran erinnern,
als ich noch im alten Schuetzenhaus in der Jugend mich mit einem Kipplaufgewehr
abrackerte und doch nix traf, und du neben mir standest und einen 10er nach dem
anderen reinholtest. Ich dachte mir damals, das gibt's doch nicht, wie macht der
das.
40
Jahre Vorstand, Erich. Mancher wuerde da bestimmt denken. Das reicht mir. Und
sicherlich kann es dir keiner veruebeln wenn du bei der naechsten
Generalversammlung sagst. Das war's!! Es waere auch bestimmt eine gute
Gelegenheit bei einem runden 40er aufzuhoeren. Aber wer dich kennt, Erich, der
weiss, dass du wenn du eine Aufgabe siehst und ein Ziel vor Augen hast, immer
mit vollem Elan und voller Begeisterung dieses Ziel verfolgst bis zum guten
Ende.
Und
so ein Ziel hast du dir selbst gesetzt, indem du vor ein paar Monaten bei einer
Ausschusssitzung den Vorschlag eingebracht hast, der Verein koennte eine neue
Fahne beschaffen. Du weisst selbst am besten, wie viel Vorbereitung und Aufwand
es bedeutet so ein Unterfangen durchzuziehen. Da kommt dann wieder ein grosses
Fest auf uns zu mit Fahnenweihe usw.
Weil
wir, und ich meine damit den gesamten Verein nicht auf deine Erfahrung und
Geschicklichkeit in solchen Dingen verzichten moechten, moechte ich dich bitten
diesen Entschluss nochmals zu ueberdenken und bei der naechsten
Generalversammlung nochmals 2 Jahre dran zuhaengen. Bis dahin muesste unsere
neue Fahne soweit sein und wir koennten sie in Verbindung mit dem 80 jaehrigen
Bestehen des SV seit Erstgruendung im Jahre 2005 gebuehrend einweihen.
Aber so weit ist es noch nicht. Heute sind wir da, um dir lieber Erich fuer die letzten 40 Jahre an denen du deine ganze Kraft in den Verein investiert hast einen riesigen Dank auszusprechen. Und glaub mir, auch wenn du einmal nicht mehr Vorstand von uns bist, wird das ewig dein Verein bleiben. Weil du bist der Urvater vom Schuetzenverein Wolfartsweiler und wirst es auch immer bleiben.
2. Vorsitzende des SV Wolfartsweiler
Herbert Masur